Edler Scherenträger

Edelkrebse gelten als Delikatesse. Bedroht durch die Krebspest und die Konkurrenz nordamerikanischer Verwandter sind sie aber selten geworden in unseren Gewässern…  Da und dort gibt es aber noch Bestände, die u.a. durch Umsiedlungen von Edelkrebsen aus grösseren Populationen erhalten werden sollen. Der Erfolg dieser Massnahme wird geprüft, indem besetzte Gewässer mit Hilfe von Krebsreusen kontrolliert werden. Einer solchen Kontroll-Aktion konnte ich letzte Woche selber beiwohnen.

Aber wie findet man Krebse und wie fängt man sie? Krebse sind zumeist nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich versteckt in selbstgegrabenen oder natürlichen Verstecken auf. Dort sind sie einzig vor Aalen nicht sicher. Diese Fische besitzen den vielleicht besten Geruchsinn überhaupt im Tierreich. Mit dem Jacob’schen Organ, das im Gaumendach liegt, finden sie nicht nur  wohlschmeckende Scherenträger, sondern auch den Weg zurück in die Sargasso-See im Atlantik, ihr Laichgewässer.

Da Menschen – Parfumeure ausgenommen – über weit weniger ausgeprägte Nasen verfügen, behelfen wir uns mit Hilfsmitteln. Sogenannte Krebsreusen, die wir aus Finnland importiert und mit Cervelat beködert haben. Die rohe Wurst finden Krebse offenbar anziehend. Jedenfalls konnten wir keine 24 Stunden nach dem Ausbringen der Reusen doch etliche Edelkrebse bergen.

Zum Glück hatte mein umsichtiger Arbeitskollege die Stellen deutlich mit Absperrband markiert. Ohne diese Massnahe hätten wir so manche Reusen wohl kaum mehr gefunden. Und farblich perfekt an ihre Umgebung angepasst übersah ich schon im ersten Reusengeflecht einen kapitalen Krebs! Es freute mich umso mehr, als dass es sich um ein ausgewachsenes Männchen handelte.

Die beiden Geschlechter unterscheiden sich einerseits durch die Grösse: Männliche Edelkrebse werden deutlich grösser, bis zu 20 Zentimeter lang. Und sie leben – werden sie nicht eher gefressen – beachtliche 15 bis 20 Jahre. So dauert es auch bis zum 3. Lebensjahr, bis ein Edelkrebs fortpflanzungsfähig wird. Dann erkennt man auf der Bauchseite von Krebs-Männchen ein speziell entwickeltes Beinpaar (die sogenannten Gonopoden), dass dazu dient, ihr Samenpaket (Spermatophor) auf ein begattungswilliges Weibchen zu übertragen.

Die Fortpflanzungssaison beginnt erst: dann nämlich, wenn im Herbst die Wassertemperaturen sinken. Mutti Krebs wird das befruchtete Eierpaket ganze 26 Wochen, also den ganzen Winter über mit sich herumtragen. Und selbst nach dem Schlüpfen im Frühjahr trägt sie ihre Krebskinder noch bis zur ersten Häutung wörtlich unter ihren Fittichen, dem eingeschlagenen Hinterleib, mit sich herum. Es gibt offenbar auch unbefiederte Glucken :)!

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