Helleborus – die Winterblüherin

Helleborus niger © R. Hundsdorfer (CC BY 3.0, wikicommons)Mit dicken Flocken und Temperaturen um den Gefrierpunkt hat uns – endlich – der Winter eingeholt. Und mit ihm ist Helleborus aufgeblüht…Endlich fiel Niederschlag auf die ausgetrockneten Böden und in die vielerorts bedrohlich wasserarmen Flussbetten. Endlich ist es auch kühl geworden, um der Natur eine verdiente Verschnaufpause zu gönnen. Noch vor 14 Tagen habe ich Fledermäuse am dämmerlichthellen Nachthimmel jagen gesehen. Vom leidigen Flurlicht angelockt sass bis vor kurzem eine südliche Eichblattschrecke all’ abentlich auf der Eingangsbeleuchtung vor meinem Haus, um sich zu wärmen und lauschte gar den Gesängen einiger verwandter Grillen, die immer noch zirpten. Und auch die Erdbeeren im Garten von Freunden haben ein zweites Mal zu Duzenden zu blühen begonnen, als gäbe es dieses Jahr einen zweiten Sommer.

Gleichwohl der lauen Temperaturen in diesem Spätherbst hat sich das Laub von Ahorn, Buchen und Obstbäumen bunt verfärbt. Immerhin darauf war Verlass. Und nun ist auch der – (in meinem Fall ersehnte) – erste Schnee gefallen und hat uns zurückgeholt in den immer wiederkehrenden Jahreszeitenrhythmus.

Genauso verlässlich konnte ich damit rechnen, dass auch die Schneerose (Helleborus niger) von Dorothée in meinem Balkontrog in diesen Tagen irgendwann wieder aufblühen würde. Dann, wenn kaum mehr eine Pflanze blüht, die Laubblätter der Bäume zu Boden gesegelt sind, fällt das Hahnenfussgewächs umso mehr auf. Die Zartheit seiner Blüten wirkt umso eindrücklicher, wenn Schneeflocken sie zudecken und gleichwohl recken sich die strammen Stengel ganz unerschütterlich in den kalten Novemberhimmel, als könnten Niederschlag und Kälte ihnen nichts anhaben. Die immergrüne Pflanze bildet ein unterirdisches Rhizom und kann, selbst dann, wenn die oberirdischen Teile trotzdem Schaden nehmen sollten, mehrere Jahrzehnte überdauern. Schliesslich hat Helleborus selbst für den Fall, dass keine Fluginsekten mehr unterwegs sein sollten (was in ihrem alpinen, natürlichen Lebensraum öfters der Fall sein dürfte), wenn sie blüht, doppelt vorgesorgt: Einerseits ist die Narbe über einen sehr langen Zeitraum bestäubbar und andererseits kann sie, bei ausbleibendem Insektenbesuch, auch von eigenem Pollen bestäubt werden. So geht das.

Organismus: , ,
Ökosystem(e):
Themen: