unser kleinster Räuber

Klein, aber oho! So liest sich die Mäuse-Bilanz eines Hermelins. Pro Tag genügen 1-2 Wühlmäuse, je nachdem ob auch noch ein paar junge Mäuler zu stopfen sind. Macht pro Jahr…… über 6oo Stück! Kein Wunder gilt das grosse Wiesel, wie man das Hermelin auch noch nennt, als Mäuse-Schreck schlechthin. Unser kleinstes, einheimisches Raubtier ist ein reiner Fleischfresser.

Die zierlichen, äusserst schlanken Tierchen sind blitzschnell und so klein, dass sie ihre Beute bis in die unterirdischen Gänge zu verfolgen vermögen. Bevorzugt werden Wühl-, aber auch Feldmäuse oder sogar um ein vielfaches grössere Beute, wenn sich Gelegenheit bietet. Hierzu zählen beispielsweise Kaninchen!

Wiesel besitzen ein typisches Fleischfressergebiss mit 34 spitzen Zähnchen und den zu Reisszähnen entwickelten ersten vorderer Backenzähnen im Ober- und Unterkiefer. Mit einem gezieleten Nackenbiss oder Biss in den Hinterkopf wird die Beute rasch und effizient getötet.

Dank eines Fellwechsels, sind sie immer bestens vor eigenen Fressfeinden, wie z.B. Greifvögeln oder anderen terrestrischen Raubtieren, getarnt: im Winter schneeweiss, im Sommer haselnussbraun. Einzig die Haare ihrer Schwanzspitzen verfärben sich nie. Sie bleiben stets schwarz und sind ein sicheres Bestimmungsmerkmal, besonders wenn die Begegnung – wie so oft der Fall – nur einen Bruchteil einer Sekunde dauert.

Die samtweichen, edlen Pelze haben so manchen Würdenträger eingekleidet. Bei einer Körperlänge von gerade mal durchschnittlich 30cm und dem durchschnittlichen Körpergewicht einer Tafel Schokolade (100-450g, je nach Region und Geschlecht) brauchte es hierfür eine Unmenge von Wieseln.

Wiesel faszinieren aber nicht nur wegen ihrer Jagd-Effizienz.  In guten, sprich Mäuse-reichen Jahren kann das Mauswiesel (der kleine Verwandte des Hermelins) sogar zwei Mal Junge werfen, wobei je Wurf 4 bis 6 Junge zur Welt kommen.

Nebst dieser erstaunlich hohen Fortpflanzungsrate an sich, überrascht das Hermelin mit zwei weiteren Fortpflanzungs-Phänomen: Mit der verzögerten Implantation oder Keimruhe ist gemeint, dass die zu winzigen Embryonen herangewachsenen befruchteten Eizellen nach wenigen Zellteilungen frei in der Gebärmutter liegen bleiben, anstatt sich dort einzunisten. Erst nach Monaten setzt die Entwicklung mit der Einnistung in die Uterus-Wand fort. Und ungefähr nach weiteren 2 Monaten werden die Hermelin-Jungen schliesslich geboren.

Wahrscheinlich synchronisiert die Keimruhe, dass Aufzucht und Ablösung der Jungen von ihrer Mutter in die Beute-reichste Jahreszeit, den Sommer, fällt. Eine andere Erklärung ist, dass die aufwendige Ranzzeit, die Paarung, ebenso im Sommer stattfinden kann, wenn das Nahrungsangebot am grösten ist.

Das zweite Phänomen betrifft die Geschlechtsreife. Beim Hermelin können gerade mal 3 Wochen alte Weibchen bereits befruchtet werden. Zu einem Zeitpunkt also, wenn sie selber noch gesäugt werden und mitunter sogar noch geschlossene Augen haben! Dank der genannten Keimruhe kommen ihre eigenen Jungen im folgenden Jahr im April oder Mai zur Welt.

PS: Keimruhe und letztgenannte Säuglingsträchtigkeit betreffen nur das grosse Wiesel, das Hermelin (Mustela herminea), nicht aber das Mauswiesel (Mustela nivalis).

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