Dunkle Wolke

ienenschwarm © E. Hammel (CC BY-SA 3.0, wikicommons)Bienen sind klein. Als Bestäuberinnen sind sie sehr wichtig. Einen Stich ihres Stachels fürchten gleichwohl viele Menschen. Und wenn Bienen als dunkle Wolke ausschwärmen, befällt die meisten zunächst ein Mal Angst…In den letzten Jahren haben verschiedene Filmproduktionen uns ins Bewusstsein gerufen, wie elementar wichtig Bienen für eine funktionierende Nahrungsversorgung sind. Als bestäubende Insekten gewährleisten sie die Fruchtbildung auf den Feldern und Äckern aller Kontinente. Und schon vor 7’000 Jahren begann die gezielte Haltung von wilden Bienen für die Honiggewinnung. Gezähmt allerdings wurde Apis mellifera nie. Und eben dies wird alle Jahre wieder, wenn Völker ganz- oder teilweise ausschwärmen, deutlich. Aber warum schwärmen Bienen? Und wann geschieht dies eigentlich?

Das Schwärmen findet zumeist zwischen Mai und Juni, wenn starke Bienenvölker sich teilen, statt. An sich herrscht im Bienenstaat Arbeitsteilung und damit ausserordentliche Effizienz. Anfangs Sommer allerdings besteht ein Überfluss an sogenannten Ammenbienen, die sich um die Bienenbrut kümmern sollten. Ausserdem sendet ihre Königin immerzu Botenstoffe aus, der den Ammenbienen wiederum Informationen über ihren Zustand (z.B. ist sie krank oder schwach? stirbt sie bald?) gibt und damit indirekt über das Wohlbefinden des ganzen Volkes. Unterbeschäftigte Ammenbienen beginnen nun sogenannte Weiselzellen zu bauen, in die ihre Königin je ein befruchtetes Ei legen wird. Die daraus schlüpfenden Larven werden ausschliesslich mit Gelée royale gefüttert, einem Futtersaft, den Arbeiterbienen in ihren Kopfdrüsen erzeugen. Beides, ihre Genetik, aber auch ihre Ernährung, sorgt dafür, dass diese Larven sich zu neuen Oberhäuptern entwicklen. Nach 12 Tagen werden die Jungköniginnen schlüpfen.

Unterdessen hat die alte Königin ihre Eiablage eingestellt. Mit Tausenden ihrer treuen Gefolginnen wird sie am Morgen des 9. Tages nach derselben aufbrechen und als riesige, dunkle Wolke davonschweben. Während sie mit einem Grossteil des Teilvolkes schon bald wieder eine Ruhepause einlegt, werden einige Arbeiterinnen, sogenannte Kundschafterinnen oder Spurbienen die Gegend absuchen nach einem geeigneten Nistplatz. Per Schwenzeltanz werden sie die Lage eines solchen ihren zurückgebliebenen Kolleginnen mitteilen. Und den Fortbestand des Volkes, an einem neuem Ort, sichern.

Die Angst vor schwärmenden Bienen ist übrigens unbegründet. Sie lassen sich relativ leicht – idealerweise von einem Imker und in entsprechender Schutzbekleidung – behändigen, wenn sie sich als Traube zum Ruhen niederlassen. Ein Video dazu ist z.B. hier verfügbar.

PS: Für die Entschlüsselung des genannten Schwenzeltanzes brauchte Karl von Frisch übrigens beinahe 20 Jahren. 1973 erhielt er dafür den Nobelpreis.

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